|
|
|
XVII. ALLGEMElNES ZUR LlTERATURWISSENSCHAFT 91—92
657 Groß. Sabine: Lese-Zeichen Kognition, Medium und Materialität im Leseprozeß. - Darmstadt: Wiss. Buchges., 1994. Xll, 158 S.; Ill. DM 39.80 Einem ebenso faszinierenden wie grundlegenden Phänomen ist S. Groß auf der Spur: dem »Lesen«. Ihre Annäherung erfolgt gewissermaßen vom Rand her, über einen Vergleich der Medien >Schrift< und >Bild<. ihrer Charakteristika. Abgrenzungsbedingungen und Konvergenzkriterien. Besonders eindringlich geschieht dies anhand von Beispielen aus der visuellen Poesie, wo dem beschreibenden Text das darstellende »Textbild« an die Seite tritt, in welchem sich - gemäß der Zeichentheorie von Ch. S. Pierce - symbolische und ikonische Bedeutungsebenen durchdringen. Hieraus erwächst ein überzeugendes, stets präzise formuliertes Beschreibungskonzept, das hilft, derartige Grenzfälle zu analysieren. Wo die Verf. auf allgemeine Rezeptions- und Verstehensprozesse zu sprechen kommt, nimmt sie neue Erkenntnisse der Rezeptionsästhetik und kognitiven Psychologie in ihren semiotisch fundierten Ansatz auf. Betrachtungen zur Trias »Text/Bild/Film« runden die klar angelegte Untersuchung ab, welche unter Berufung auf die kognitive Leseforschung schließlich G. E. Lessings im Laokoon formulierter Ästhetik eine Absage erteilt. Fazit: eine vorzügliche Arbeit, die mit hohem Gewinn zu lesen ist. Oliver Herwig, Tübingen |
Return to Sabine Gross's Homepage.