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711: Topics in German Literature: Buchwelt und Weltbuch, 3 cr.

Lepper, MW 2:30-3:45

Prerequisite: Grad Student

„Die Lesbarkeit der Welt“, so titelte Hans Blumenberg 1981. Dass die Geheimnisse der Welt in einem Buch verborgen seien oder dass die Welt selbst wie ein Buch lesbar sei, ist als Vorstellung so alt wie die großen Schriftreligionen. Enthält das Weltbuch die Gesetze des Universums, bewahrt es das Gedächtnis der Lebenden? Oder ist umgekehrt die Natur in einer Sprache verfasst, die man lesen lernen kann? Lässt sich die Welt in der Enzyklopädie vollständig reproduzieren, in der Dichtung durch eine Gegenwelt ersetzen? Um 1800 gewinnt die Metapher vom Buch der Welt und von der Welt im Buch an Relevanz – für die Kunstlehre der Romantik, für die Anfänge der modernen Philologie, für die Erkundung des Globus. Die Vorstellung der Verschlüsselung und Entzifferung kehrt in den Bibliotheksphantasien des 20. Jahrhunderts ebenso wieder wie in der Genomforschung. Das Seminar bietet, ausgehend von einer Textauswahl, einen Überblick über die Entwicklung einer literarischen Metapher zwischen 1800 und der unmittelbaren Gegenwart. Texte, die wir lesen werden, sind unter anderen:

Ludwig Tieck, Der Runenberg. Reclam UB 7732.

E. T. A. Hoffmann, Der goldene Topf. Reclam UB 101.

Gottfried Keller, Hadlaub. Reclam UB 6181.

Weitere Textauszüge werden in Kopie zur Verfügung gestellt.

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