AKADEMIE DER KÜNSTE

1898 -- Bertolt Brecht -- 1998

"... und mein Werk ist der Abgesang des Jahrtausends"

22 Versuche, eine Arbeit zu beschreiben

"Vierzig Jahre", prophezeite der zweiundzwanzigjährige Brecht, "und mein Werk ist der Abgesang des Jahrtausends". Mit dem Gestus der Selbststilisierung, den der junge Stückeschreiber beherrschte, notierte er wenig später: "Ich beobachte, da ich anfange, ein Klassiker zu werden." Dieses Schicksal holte ihn ein, freilich um den Preis der von Max Frisch konstatierten "durchschlagenden Wirkungslosigkeit eines Klassikers". Dabei erweist sich, da Brecht wie kaum ein anderer Theater, Literatur und politisches Denken in der ganzen Welt beeinflut hat. Zudem sind Brechts Themen ein Spiegel der Welt und des Jahrhunderts: Marxismus und Sozialismus, dialektisches Denken, Ökonomie, Faschismus und Krieg, Verantwortung der Naturwissenschaften, Kunstformen und Wahrnehmungsweisen der Moderne. Die Akademie der Künste nimmt den 100. Geburtstag Brechts am 10. Februar 1998 zum Anla, in einer Ausstellung und in Veranstaltungen das Werk dieses Jahrhundertautors auf seinen Materialwert und seine Aktualität hin zu prüfen.

Die Ausstellung rückt die Arbeitsbibliothek des Schriftstellers in den Mittelpunkt. Vor dem Hintergrund einer Dokumentation von Leben und Werk zeigen und akzentuieren ausgewählte Bücher mit Eintragungen, Bearbeitungsvermerken und Widmungen Brechts Denken, Schreiben und Handeln. Die Quellen und Arbeitsmaterialien treten in Beziehung zu Dokumenten aus dem Bertolt-Brecht-Archiv: Handschriften, Typoskripten, Lebenszeugnissen und Fotos, ergänzt durch Bühnenbildmodelle, Kostüme und Plastiken.

22 Versuche, Brechts Arbeitsweise zu beschreiben, sind eine Annäherung an die Werk- und Denkgeschichte. Exemplarische Werke und Gegenstände erzählen Stationen einer intellektuellen Biographie. Über Vorgänge, die Brecht inspirierten, und Ideen, die im Manuskript Gestalt annahmen, eröffnet sich der Zugang in die Werkstatt des Künstlers. Die Vielfalt von Brechts Arbeitsgebieten ermöglicht interdisziplinäre Aspekte: zum Theater treten Musik, Bildende Kunst, Baukunst, Fotografie. Die Ausstellung beleuchtet neben den im Druck und auf der Bühne weltweit verbreiteten Texten die weniger bekannten fragmentarischen Versuche, Entwürfe, Bruchstücke und Arbeitspläne. Die Konfrontation mit dem Handwerk des Künstlers kann das Bild des allzu klassisch gewordenen Brecht aufbrechen, sie gibt den Blick frei auf Gelingen und Scheitern in einem Werk, das die Hoffnungen und Irrtümer des Jahrhunderts widerspiegelt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog der Akademie der Künste mit unbekannten Fotos und Texten, Gesprächsaufzeichnungen und Randglossen in den Büchern des Autors. Unter dem Titel "Die Bibliothek Bertolt Brechts" publiziert der Suhrkamp Verlag ferner ein kommentiertes Verzeichnis, das sämtliche Titel erfat und über vorhandene Widmungen, Eintragungen, An- bzw. Unterstreichungen informiert.

Ausstellung vom 25.1.-29.3.1998
dienstags bis sonntags 10-20 Uhr
mittwochs Eintritt frei
Führungen mittwochs 17 Uhr, sonntags 11 Uhr

Hanseatenweg 10
10557 Berlin-Tiergarten
Telefon 030/39076-0

Veranstaltungen zur Ausstellung

Sonntag, 11.1.98, 20 Uhr
Film: Die Dreigroschenoper

Mittwoch, 14.1.98, 20 Uhr
Film: Die Mysterien eines Frisiersalons
Film: Kuhle Wampe oder Wem gehrt die Welt?

Sonntag, 18.1.98, 20 Uhr
Film: Galileo
Film: Der Hofmeister

Mittwoch, 21.1.98, 20 Uhr
Film: Nach meinem letzten Umzug
Film: Die Gewehre der Frau Carrar

Sonntag, 25.1.98, 11.30 Uhr

Eröffnung: 1898 Bertolt Brecht 1998
"... und mein Werk ist der Abgesang des Jahrtausends"
22 Versuche, eine Arbeit zu beschreiben

Es sprechen

György Konrad, Präsident der Akademie der Künste, Erdmut Wizisla, Leiter des Bertolt-Brecht-Archivs

Christoph Hein, Kerstin Hensel und Stefan Heym

Anmerkungen zu Brecht

Sonntag, 25.1.98, 20 Uhr
Film: Mutter Courage und ihre Kinder

Mittwoch, 28.1.98, 20 Uhr
Gespräch: über das Arbeiten mit Brecht

Benno Besson, Angelika Hurwicz, Egon Monk, Peter Palitzsch und B.K. Tragelehn

Sonntag, 1.2.98, 20 Uhr
Lesung: Zeitgenossen über Brecht
Peter von Becker, Albert Ostermaier, Lena Stolze und Matthias Zschokke
lesen ausgewählte Erinnerungen an Brecht

Mittwoch, 4.2.98, 20 Uhr
Gespräch: Über das Annehmen von Vorschlägen
Reinhard Baumgart, Friedrich Dieckmann, Werner Hecht, Henning Rischbieter und Klaus Völker

Sonntag, 8.2.98, 20 Uhr
Lesung: Gedichte von Bertolt Brecht
Volker Braun, Eugen Gomringer, Peter Härtling, Harald Hartung, Rolf Haufs, Walter Höllerer, Rainer Kirsch, Wulf Kirsten, Michael Krüger, Karl Mickel, Oskar Pastior und Peter Rühmkorf

Dienstag, 10.2.98, 20 Uhr
Festakt: Bertolt Brecht zum 100. Geburtstag

Es sprechen
Gyrgy Konr·d, Präsident der Akademie der Künste, Roman Herzog, Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Peter Härtling, Egon Monk

Es lesen
Erwin Geschonneck, Angelika Hurwicz, Regine Lutz, Hartmut Reck und Käthe Reichel

Brecht-Weigel-Gedenkstätte
der Stiftung Archiv der Akademie der Künste

Chausseestrae 125, 10115 Berlin, Telefon 030/2830570-0

Einlaß
Di, Mi, Do, Fr 10.00, 10.30, 11.00, 11.30 Uhr
Do auch 17.00, 17.30, 18.00, 18.30 Uhr
Sa 9.30, 10.00, 10.30, 11.00, 11.30, 12.30, 13.00, 13.30 Uhr
sonntags, montags und feiertags geschlossen

Zusätzliche Einlazeiten während der Brecht-Ausstellung

vom 25. Januar bis 29. März 1998:
Di, Mi, Fr, Sa 15.00, 16.00, 17.00, 18.00 Uhr
So 11.00, 12.00, 13.00, 14.00, 15.00, 16.00, 17.00, 18.00 Uhr


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